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alles darf, nichts muss
eine viel zu große bühne für diesen kleinen mann. die scheinwerfer blenden ihn. verloren steht er zwischen verstärkern, boxen und stativen. endlose kabel schlingen sich um seine füße. er grinst ein verlegenes "guten abend" in den dunklen saal. linkisch prüft er die stimmung seiner gitarre. nach einem abwinkenden "naja" beginnt er zu spielen, zu singen. langsam wächst er und beginnt zu leuchten. ein ganz normales benjamin-soldan-konzert nimmt seinen lauf.
dabei will er das gar nicht so haben. viel lieber hätte er eine band, die ihn begleitet und die musik auf ein höheres level hebt. seine texte nicht unterstreicht sondern einpeitscht. er muss sich gedulden. seine ersten konzerte spielt er 1997, allein mit seinem instrument gegen hundert erwartungsvolle ohren. später ist er der zweite mann einer rockband, kann sich zurückhalten wenn es ihm zuviel wird. doch im hintergrund sammelt er kraft und ideen, traut sich immer wieder nach vorn, dort wo der wind härter weht. er präsentiert seine lieder mit dem charme des begabten dilletanten, dem aller ehrgeiz fern ist. das scheint nur auf den ersten blick kurzsichtig: eine entspannte zeit ist ihm wichtiger als hohe chartpositionen.
2004 leitet er seine erste eigene band und kann sich dem druck der front row nur durch radikale bühnenshows entziehen. das findet nicht überall freunde und nach der baldigen auflösung der band ist er desillusioniert und will "dass alles irgendwie anders ist." er findet neue weggenossen und definiert seine musik neu: alles darf, nichts muss. mit seiner neuen band versucht er, in jedem lied einen anderen musikstil zu bearbeiten. das ergebnis ist verspielte rockmusik mit witz und tiefgang. rock. als einpeitscher schreit er seine parolen in das dunkel der clubs: "wir haben was zu sagen!" so ist es. die band löst sich auf als der drummer seinem studium hinterherzieht. doch er kann nicht aufhören, schreibt und schreibt, hat bald material für ein neues album zusammen. also holt er seine alte akkustikgitarre hervor und geht wieder allein auf die bühne.
sie ist viel zu groß für diesen kleinen mann.
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